Warum bezweifle ich es?
1. Ich unterstelle einen gewissen Zugang zu Bildung, um sich vollkommen bewusst zu werden, was für Folgen eine Gewalttat nach sich ziehen kann. Damit meine ich nicht, dass ein junger Mensch mit hohem Aggressionspotential nicht weiß, dass Gewalt falsch und Mord ein Verbrechen ist, sondern dass dieses Verständnis nicht in seinem Denken verankert ist, da seine Sicht auf Gewalt durch seine Lebenssituation eher relativiert ist, da er vielleicht die Titel der Bild-Zeitung lesen kann, in denen Gewaltverbrechen zur Schau für die Massen werden, er sich aber die Bild-Zeitung nicht kauft, um darin zu lesen, und ihn die Schlagzeilen über Gewalt vielleicht eher zu Gewalt motivieren, noch sich für die Hintergründe solch einer Tat oder die Folgen solcher interessiert und sich deshalb nicht darüber aufklärt, davon abgesehen, dass es, auch wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass bei seinen Aktionen das Opfer tödlich zu Schaden kommen KANN, es ihm natürlich gar nicht um Mord geht. Womit ich übergehe zu Punkt
2. Der Täter: Ich nehme hier den jüngeren (Jugendlicher/junger Erwachsener) Gewaltverbrecher, der schon in frühen Jahren Gewalt begegnet, in einem Umfeld auf wächst, in der Gewalt zum Tagesgeschehen gehört, in der das Recht des Stärkeren ausgelebt wird, in dem ihm selbst Gewalt angetan wird, der schließlich in Ausübung von Gewalt gegen Andere einen Weg findet, um sich gut und besonders zu fühlen. Die Gewaltkarriere dieses Menschen beginnt schon früh, ebnet sich ihren Weg über Schlägereien, die vielleicht schon im Kindergarten, noch spielerisch, aber schon unverhältnismäßig, ihren Anfang finden. Im Laufe seines Lebens erfährt er, dass dem Mitschüler die Nase blutig schlagen zwar Konsequenzen nach sich zieht, diese Konsequenzen aber seinen Lebensstil und sein Lebensgefühl nicht übermäßig einschränken. Und irgendwann steht er dann das erste mal vor dem Jugendrichter und erfährt erneut, dass er zwar falsch gehandelt hat, dieses aber mit dem umherschieben von Omis im Altersheim ab gestraft wird. So verhärtet sich in seinen Gehirnschaltungen womöglich die Einstellung, dass Gewalt zwar (immer noch) falsch ist, aber sie unter bestimmten Umständen (schon wieder) keine Einschränkung für seinen Lebensstil bedeuten oder sein Lebensgefühl einschränken. Er redet sich ein, dass er die Kontrolle über sein Handeln, über seine Gewalt hat, dass er die Gewalt beherrscht und nicht sie ihn, was zutrifft, solange er sich nicht in einer Gewaltsituation befindet. Sobald er aber in sie hineinkommt verliert er die Kontrolle. Sein Adrenalinspiegel steigt, sein Serotoninspiegel sinkt, sein Herz hämmert, sein Blutdruck explodiert mit den Schlägen und Tritten auf sein wehrloses Opfer. Und nun entscheiden die Umstände in seinem Gehirn, die Schaltkreise der Wahrnehmung, die Schutzmechanismen, die vielleicht aktiviert werden, vielleicht nicht, über den weiteren Verlauf und die Folgen der Eskalation, nun entscheidet die Kondition und der abschließende Zustand des Opfers, der die Gewalt einsteckt, über den Strafbestand, wenn der Gewaltausteiler von der Polizei abgeführt wird, und wenn der Gewalteinstecker noch einmal glimpflich davon gekommen ist, dann ist auch der kleine Bube, der im Kindergarten Schelte für seine unverhältnismäßige Spielerei einsteckte, im großen Buben noch mal glimpflich davon gekommen und sieht seinen Lebensstil und sein Lebensgefühl weiterhin nicht bedroht, bis zur nächsten Gewalttat, die ihn schließlich, auf Kosten des Opfers, stoppt und vorübergehend aus der Gesellschaft entfernt.
Nach meiner Beurteilung entscheiden die Umstände und nicht die Strafen, ob ein Mensch zu Schaden oder gar zu Tode kommt bei einer Gewaltausübung.
Unter diesen Umständen hätten höhere Strafen kaum eine präventive Wirkung, würden den Ausgang einer Gewalttat, vor allem im Laufe der Gewalttat nicht beeinflussen können, nicht abschreckend wirken.
Also müssen wir wohl die Umstände verändern, die zu solchen Taten führen. Und wenn wir die nicht in den Griff bekommen, müssen wir dann die Folgen daraus härter anpacken, brauchen wir dann härtere Strafen schon für Kinder und Jugendliche, schon für leichtere Gewaltverbrechen? Wenn das beinhaltet, dass man sich pädagogisch um die Kleinkriminellen müht, sich mit ihnen zusammen setzt und sich mit ihren Problemen auseinandersetzt, dann würde ich sagen: Ja
Wenn man sie (egal ob Erwachsene oder Jugendliche) nur weg sperrt und ihre Zeit absitzen lässt, dann werden sie vielleicht erneut zur Bedrohung, sobald sie wieder freien Boden unter den Füßen spüren. Dann müsste man sie wohl für immer weg sperren, was aber nicht geht und deshalb sollten wir wohl wieder an die Umstände ran. Und wenn wir das versäumen, dann bleibt der Bild-Zeitung zumindest noch die Schlagzeile.
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