Montag, 14. Dezember 2009

Und Gott schuf den verkaufsoffenen Sonntag

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde;
Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.
[...]
Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte, und an diesem Tag ruhte er.
Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das Werk der Schöpfung vollendet hatte.
Und die Menschen hielten sich an das Gebot, sie arbeiteten hart von Montags bis Samstags und Sonntags ruhten sie. Das ging viele Jahre so, bis eines Tages ein schlauer Mensch, der mit seiner Zeit am Sonntag nicht viel anfangen konnte und deshalb immer nachdachte, sich fragte, was Gott eigentlich am achten Tag tat. Die Schöpfung war an 6 Tagen getan, am Sonntag ruhte sich Gott aus und dann? Nach einiger Überlegung kam er zu dem Schluss, dass Gott auch am 8 Tag ruhte und auch am 9 und 10 und so weiter. Dies sprach sich schnell herum unter den Menschen und sie wurden erst mürrisch und dann wütend und wollten es Gott gleich tun. Sie legten ihre Arbeit nieder und versammelten sich zu Protest- und Streikzügen und wollten nicht mehr zur Arbeit gehen.
Als Gott die lauten Rufe der Protestler, die zürnenden Stimmen der Streikführer, die durch Megaphone die Massen antrieben und auf Bühnen, durch riesige Lautsprecher ihre Botschaft vom faulen Gott verkündeten, da erhob sich Gott schnaufend aus seinem Liegestuhl, um zu sehen, was seine Menschen dort unten trieben. Als Gott das Chaos sah und die Forderungen der Menschen vernahm, die nichts mehr tun wollten, sah er seine Schöpfung in Gefahr. Wie war es dazu gekommen? Gott überlegte kurz und erkannte, dass die Menschen am Sonntag zu viel Zeit zum nachdenken hatten, und so heraus fanden, dass er nicht nur am 7 Tag, nach der Schöpfung ruhte, sondern eigentlich immer und er nur gelegentlich seinen Liegestuhl verließ, um heimlich die Engel beim umkleiden zu beobachten.
Und Gott sprach: Es werde der verkausoffene Sonntag. Und es wurde der verkaufsoffene Sonntag.
Und die Menschen ließen ihre Schilder und Transparente fallen, denn zufällig war gerade Sonntag, und sie strömten in die Geschäfte und konsumierten kräftig. Da sie so sehr mit einkaufen beschäftigt waren, vergaßen sie, warum sie sich so aufgeregt hatten und Gott sah, dass es gut war und setzte sich wieder schnaufend in seinen Liegestuhl. Vorher stattete er aber noch den Engeln einen heimlichen Besuch ab.
Nun waren die Menschen von Montag bis Sonntag beschäftigt und hatten am Sonntag keine Zeit mehr darüber nachzudenken, was Gott am 8 Tag tat, denn der 8 Tag war ja wieder Montag und Montag war für die meisten Menschen ein besonders grausamer Arbeitstag, der sie 100% forderte.
Ja, liebe Leser, ob ihr es nun glaubt oder nicht, genau so hat es sich zugetragen.
In diesem Sinne wünsche ich euch schöne verkaufsoffene Sonntage.

 

Samstag, 12. Dezember 2009

"Warum man Angela Merkel nicht trauen darf. Ein Diskurs zum Thema Macht!"

Hallo zufällige oder absichtliche Hereinschauer.
Aus einem Thread, in dem ich dieses Thema einmal zur Diskussion angeregt habe, möchte ich euch und mir hier nun die Fragestellung und die von den damals Denkbegeisterten eingestellten Beiträge dazu blogverewigen. Ich beschränke mich dabei auf die für das Thema wichtigen Vorschläge und Auseinandersetzungen:
(Korrektur gelesen habe ich nur in meinen eigenen Postings *gg*)

Kon 11.09.07 11:23
Die Aussage: Man sollte jedem Menschen misstrauen, der nach oben strebt.
Und wenn man sich an diese Prämisse hält, dann sollte man dem Menschen, der es ganz nach oben geschafft hat, auch am meisten misstrauen!!

Gegenfrage: warum sollte man einem Menschen, der nach oben strebt misstrauen?

Offener Versuch einer Erklärung:
Wir nehmen vier bestimmte Charaktereigenschaften, reduzieren sie auf sich selbst, fassen sie in einen Menschentypen und lassen sie gegeneinander antreten.
Da wären
1. Der Stärkste
2. Der Intelligenteste
3. Der Ehrlichste
4. Der Hinterlistigste
Welche der vier Personen wird in einer Auseinandersetzung am Ende den Führungsanspruch bekommen?


redwolf 11.09.07 14:38 :
Der Hinterlistigste gewinnt am Ende.

Zunächst ist der Stärkere obenauf, weil er die anderen mit seiner Stärke drangsalieren kann.

Der Ehrliche wird hiergegen protestieren und den Intelligenten auf den Plan rufen, der einen schlauen Plan entwirft, wie man zu dritt den Stärkeren neutralisieren kann.

Der Hinterlistige schließlich wird sich am Ende mit dem Stärkeren verbünden und diesen mit Versprechungen dazu bringen, für ihn die beiden anderen in Schach zu halten.

Farm der Tiere könnte man hier auch anführen, mit leichten Verschiebungen in der Motivation der Beteiligten:

Der Stärkste - Farmer Jones / die Hunde
Der Intelligenteste - Snowball
Der Ehrliche - Boxer
Der Hinterlistige - Napoleon

Kon 11.09.07 15:57 :
Leider ist es nicht so einfach auf die Realität übertragbar, denn hier treten in der Regel Mischformen auf, die eine genau Abwägung fast unmöglich machen.

Zum Beispiel könnte es nur bei kleinen Abweichungen bzw. hinzufügen von weiteren Eigenschaften zu Veränderungen im Gesamtergebnis führen.
Z.B. wenn der Stärkste auch gleichzeitig der Hässlichste ist und er Ehrlichste der Hübscheste, kann es, wenn man es psychologisch betrachtet dazu führen, dass der Ehrlichste sich mit dem Stärksten die Führungsposition teilt. Und da es in der Realität noch unzählbar mehr Variationen und Möglichkeiten gibt, wird es ein fast undurchschaubarer und unberechenbarer Ausgang.

Und was Angela Merkel angeht, ob sie nun hinterlistig ist oder nicht, das sollte jeder für sich selber entscheiden. Hübsch ist sie auf jeden Fall nicht.
 
Leckmuschel 11.09.07 16:07 : 
Komisch, dass du genau 4 verschiedene Typen aufzählst, die alle nach oben kommen könnten!

Kon 11.09.07 16:16 :
Darum ging es ja, Leckmuschel. Welche von vier Charaktereigenschaften, mit denen man Erfolg haben kann, ist im direkten Vergleich die erfolgreichste.

War ja nur eine kleine Denkaufgabe/Denkanreiz.

Leckmuschel 11.09.07 16:22 :
Ja eben, aber die Denkaufgabe hört bei mir ja schon direkt am Anfang auf, weil man sich 1. kein Bild machen 2. das Gegenüber dazu fehlt, der ja auch noch eine eigene und erfahrene Meinung hat und 3. das sowas alles total Situationsabhängig ist.

Zu Angela Merkel, denk ich dass sie zu einer starken Person erzogen wurde, ob sie jetzt wirklich eine ist, weiß wahrscheinlich nur ihre Muschi, aber intelligent/hinterlistig oder ehrlich wirkt sie auf mich weniger!

redwolf 11.09.07 17:06 :
Du hattest doch aber nach Konstellationen mit den genannten vier eindimensionalen Archetypen gefragt. Wenn jetzt natürlich der Hübscheste, der Geilste, der Religiöseste und der Unrockbarste hinzukommen, dann sieht die Welt natürlich anders aus. :)

Also mittendrin die Aufgabe verändern zählt nicht. Wenn die Aufgabe lautet: "Ein Zug fährt mit 60km/h von A-Dorf ins 27km entfernte B-Stadt. Ein Auto verläßt auf der exakt neben der Bahnlinie verlaufenden Landstraße mit 75km/h B-Stadt in Richtung A-Dorf", dann ist es wenig zielführend, plötzlich C-ingen und einen Radfahrer mit ins Spiel zu werfen, der die Weichen verstellt, weil er denkt, der Zug habe Castor-Behälter geladen.

firestarter81 11.09.07 17:38 :
Den Ausführungen von redwolf schließe ich mich an bzw. hätte ähnliches geschrieben.

Ähnlich deshalb, weil ich an dem Punkt, dass der Hinterlistige den Stärkeren mit Versprechungen lockt, den Intelligenten in die Position bringe die es ihm erlaubt die Versprechungen des Hinterlistigen ad absurdum zu führen und/oder sollte er nichts von diesen Versprechungen wissen, einen erneuten Einfall hätte um sich mit einer Idee/einem Plan wieder an die Spitze zu bringen...:)

Kon 11.09.07 18:57 :
@redwolf. Ne, hast schon recht. Ich hatte gedacht, dass die Rangliste damit beendet wäre. Auch ich dachte, der Hinterlistige würde am Ende gewinnen. Aber der Einwand von firestarter bringt ja wieder den Intelligenten nach vorne. Das bringt mich zu einer neuen Überlegung:
So gesehen kann der Hinterlistige noch so viel unternehmen und sich neue Pläne ausdenken, der Intelligente gewinnt immer, WEIL da ja noch der Ehrliche ist, den der Intelligente zu Rate ziehen kann und damit, mit einer 2:1 Mehrheit, den Starken überzeugen müsste.

Also wäre es wohl so, dass (a) der Intelligente zuerst an die Macht kommt, wird dann (b) vom Hinterlistigen mit Hilfen des Starken von seinem Thron verstoßen, kann aber dann (c), mit Hilfe von Logik, Überzeugung und dem Beistand des Ehrlichen wieder nach ganz oben kommen.

Konstellationen würden dann wie folgt aussehen
im Falle (a):
1. der Intelligente
2. der Starke, den es ist immer gut den Starken an seiner Seite zu haben
3. der Ehrliche, denn der Intelligente kann den Hinterlistigen nicht leiden und kann ihn als Erster auf den vierten Platz verweisen (wenn wir davon ausgehen, dass der Erste immer die Positionen der Anderen bestimmen kann)
4. der Hinterlistige

(b)
1. der Hinterlistige
2. der Starke, der Starke muss natürlich seine Position behalten, denn er ist auch in diesem Fall die Stütze des Hinterlistigen
3. der Intelligente, denn der Hinterlistige hat insgeheim Angst vor dem Intelligenten und versucht ihn auf dieser Position ruhig zu stellen
4. der Ehrliche, denn der Hinterlistige weiß noch nicht, dass der Ehrliche für ihn zum Problem werden kann.

(c)
1. der Intelligente
2. der Starke, er behält immer seine Position, kommt also im Schnitt am besten weg
3. der Hinterlistige. Diesmal hat der Intelligente intelligent gehandelt und den Hinterfotzigen an dritter Position gesetzt, um diesmal ihn zu beschwichtigen. Vielleicht klappt es ja. Wahrscheinlich ist es, denn so dumm ist der Hinterlistige nicht, noch mal den gleichen Fehler zu machen.
4. der Ehrliche. Der Ehrliche ist der Gearschte, denn er war hier nur mittel zum Zweck um den Intelligenten, über den Starken, wieder an die Macht zu bringen. Da es in seiner Natur liegt ehrlich zu sein, hat auch der intelligente Führer nicht zu befürchten, dass der Ehrliche auf einmal unehrlich wird und sich mit dem Hinterlistigen zusammensetzt, der ihn überredet, ausnahmsweise mal unehrlich zu sein, um den Starken erneut rum zu kriegen.
Wie gesagt, der Ehrliche hat in allen zwei Szenarien die Arschkarte gezogen und in einem die halbe Arschkarte. Aber vielleicht macht ihm das auch gar nichts aus, er kann ja eh nichts dagegen machen, und ruht sich auf seiner weisen Haut, vielleicht als Eremit in einem dunklen Loch in der Wüste, aus.

PS. Die Überlegung von Redwolf, dass der Hinterlistige an der Macht bleibt, ist nur dann gewährleistet, wenn der Hinterlistige mit Hilfe des Starken den Intelligenten und den Ehrlichen mundtot macht, unterdrückt oder ganz auslöscht. Im Extremfall muss aber nur der Ehrliche ausgelöscht werden, denn vom Intelligenten allein geht keine Gefahr mehr aus.
Entzugserscheinung 11.09.07 19:25
Wie sagte einst Reagan..

Nuke em!

dreist 15.09.07 16:24 :
Ich würde annehmen der Intelligenste. Um den Starken braucht er sich meiner Meinung nach keine Sorgen zu machen, da dieser meist auch der Dümmste ist und somit - meiner Meinung nach und hingegen der einiger anderer - somit keine Chance hat an die Macht zu kommen. Er würde auf jeden Fall an dem Hinterlistigsten scheitern. Das Gleiche Schicksal wird den Ehrlichen ereilen, denn geht es um Macht, siegt hinterlistig meist über ehrlich. Bliebe also noch der "Falsche".

Da der Intelligeteste mindestens so schlau sein muss wie die drei anderen Charaktere (und somit auch mindestens so schlau) wie der Hinterlistigste, wird er ihn durchschauen können.
Um nun auf die Mischformen zurückzukommen: Nur weil er intelligent ist, muss er nicht zwangsläufig auch ehrlich sein. Er könnte in einem ähnlichen Maße hinterlistig o. berechnend sein (was viele intelligente Leute sind). Setzen wir nun also voraus, dass der Hinterlistigste nicht halb so intelligent ist wie der Intelligenteste hinterlistig, ist für mich die Situation eindeutig.

Ansonsten sind jetzt wohl alle Klarheiten beseitigt. ;-)

Lot75 15.09.07 17:06 :
Im Leben gewinnt immer der Hinterlistigste.
Beispiele:
Im Beruf kommen hinterlistige Schleimscheißer am weitesten.
oder
In Beziehungen spielt der Hinterlististge die entsprechenen Parteien gegeneinander aus, um zum Ziel zu gelangen.
 
Kon 15.09.07 17:27 :
Ich glaube, im realen ist es eine Mischung aus Unterschiedlichen Intelligenz- und Hinterlistigkeitverteilungen, wie es schon dreist bemerkte, die sich ständig gegenseitig um die Führungspositionen bringen.
Ich denke, im Durchschnitt wird sich der Intelligente mit einem ausgeprägten Teil an Hinterlistigkeit statistisch gesehen öfter in und an die Führung bringen können.

Der Intelligente ohne Hinterlistigkeit wäre wohl der naive Wissenschaftstyp, der sich leicht ausnutzen lässt.

Eine eindeutige Lösung, was die ersten angenommen Charaktertypen angeht, wird sich wohl nicht finden lassen, aufgrund normalerweise vorkommenden Vermischungen der Attribute. Es bleibt also Raum für weitere Interpretationen.


So, das war es schon. In dem Thread ging es noch ein bisschen weiter, was aber für das Thema nicht unbedingt relevant ist, weshalb ich es einfach weglasse.
Ich hoffe, ihr könnt was damit anfangen, es hat euch etwas unterhalten, ich zumindest habe hiermit, ohne viel Denkarbeit, meine sechste Veröffentlichung im Dezember geschafft. Huriiiioooo....

Montag, 7. Dezember 2009

Hanna Poddig bei Illner - Ein Ökoengel zum verlieben

Eigentlich fehlen mir die Worte, die beschreiben sollen, was mich zu diesem Beitrag motivierte. Im Grunde genommen nur Frau Poddig. Als ich sie neben E.on Kraftwerkmanager Wulf Bernotat sitzen sah, blieb mir schon bei der ersten Großaufnahme förmlich der Atem stecken, weil sie ihn mir mit ihrem strahlenden, klaren und kühlen Blick regelrecht in meinen Lungenflügeln einfror. Diese glänzenden Augen und das Gesicht eines Engels. Dazu fällt mir spontan nur der Fall Amanda Nox - der "Engel mit Eisaugen" ein. In sie könnte ich mich auch kopflos verlieben, wäre da nicht dieser mörderische Hintergrund, der mir wieder etwas Kopf zurückbringt und mich gedanklich ernüchtert. Aber Hanna Poddig, die optisch ähnlich viel Feuer und Eis ausstrahlt, um die Hölle im ständigen Wechsel einzufrieren und wieder aufzutauen, ist wohl das absolute Pendant dazu. Sie verpflichtet sich nicht der eigenen körperlichen Lust, sonder mehr dem Überleben des Planeten. Ich gebe zu, da hat sie sich viel vorgenommen. Mit dieser Kleingruppensisyphusrevolution wird sie wohl, so leid es mir tut, für mich und für die Welt,  mit nicht viel mehr als persönliche Genugtuung, wenigstens etwas versucht zu haben, belohnt werden. Ihre Ziele sind scheinbar so hoch gesteckt, dass sie unerreichbar bleiben für den normalem Erdenbewohner, und auch für mich unerreichbar, denn ich stehe zwar, was meine Ansicht und meine Einsicht angeht, nicht weit von Frau Poddig entfernt, doch wenn es um meine Persönlichkeit geht, finde ich mich fest einbetoniert in lethargischer Unfähigkeit, weder willig noch wollig, mich vor Castortransporte zu werfen oder Brandenburger Tore zu besteigen, um dort transparente Umdenkflaggen zu hissen. Ja, Frau Poddig, sie haben Recht, aber das wird, wenn wir Pech haben, die Welt nicht retten.
Ich versuche die Dinge ja immer noch ein wenig optimistisch zu sehen, das halb volle Glas zu leeren und die letzten Schlucke zu genießen, während ich mir vorstelle, wie toll es wäre mit Ihnen zusammen auf meiner Ikeacouch zu liegen, bei Pizza und Wein, einen Bluerayfilm auf einem 52" Flachbildfernseher zu sehen und durch meine Surroundanlage zu genießen, während im Nachbarzimmer der Computer schon seit drei Tagen ununterbrochen läuft.
Ja, ich weiß, wir sind wirklich zu verschieden. Aber das ist eben meine Art mit der Realität umzugehen, von schönen Dingen zu träumen, während mir der Arsch auf Grundeis geht, weil sich die Zukunft der Menschheit scheinbar jetzt schon mit dem Polkappen auflöst.
Also, Hanna Poddig, machen sie weiter so, auch wenn es mir dann schlechter, aber der Welt, zumindest aus ihrer Perspektive, dann etwas besser geht.
<3

Freitag, 4. Dezember 2009

Das Unwort des Jahres 2009

Ich nehme die Wahl des Unworts 2009 einmal vorweg und in die eigenen Hände.
Die einköpfige Jury hat sich diesmal für das Wort:
Wachstumsbeschleunigungsgesetz 
entschieden.

Erklärung und Begründung der Jury:
Das Wort erklärt eine Festlegung für etwas, auf das die Politik nur begrenzt Einfluss hat. In diesem Fall legt der Staat eine Wachstumsbeschleunigung fest, kann aber nicht wirklich dafür garantieren, da unsere Wirtschaft im globalen Zusammenhang steht und mit den Wirtschaften anderen Länder steigt und fällt.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Mittwoch, 2. Dezember 2009

GEWALTverbrechen - oder warum härtere Strafen nicht abschrecken

Ich möchte hier kurz Stellung beziehen und teilhaben an der immer aktuellen Diskussion, wie der Rechtsstaat auf  Gewaltdelikte reagieren soll/kann/muss/will und damit passend auf die Empörung, ausgelöst durch die funktionierende Vernetzung von Bürger und Fernsehen und/oder Bild-Zeitung, reagiert - beginnend mit Versprechungen und Gesten der Beruhigung und Beschwichtigung, der im Laufe der Zeit Gesetze verankert im Strafgesetzbuch zum Schutze der Bevölkerung folgen. Ich will nicht abstreiten, dass besondere Strafen abschreckend wirken können, Straftaten vermindert werden, aber ich bezweifle diesen positiven Effekt im Moment, zu dem ich gleich Stellung beziehen werde, wenn es um Gewaltdelikte geht. 
Warum bezweifle ich es?
1. Ich unterstelle einen gewissen Zugang zu Bildung, um sich vollkommen bewusst zu werden, was für Folgen eine Gewalttat nach sich ziehen kann. Damit meine ich nicht, dass ein junger Mensch mit hohem Aggressionspotential nicht weiß, dass Gewalt falsch und Mord ein Verbrechen ist, sondern dass dieses Verständnis nicht in seinem Denken verankert ist, da seine Sicht auf Gewalt durch seine Lebenssituation eher relativiert ist, da er vielleicht die Titel der Bild-Zeitung lesen kann, in denen Gewaltverbrechen zur Schau für die Massen werden, er sich aber die Bild-Zeitung nicht kauft, um darin zu lesen, und ihn die Schlagzeilen über Gewalt vielleicht eher zu Gewalt motivieren, noch sich für die Hintergründe solch einer Tat oder die Folgen solcher interessiert und sich deshalb nicht darüber aufklärt, davon abgesehen, dass es, auch wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass bei seinen Aktionen das Opfer tödlich zu Schaden kommen KANN, es ihm natürlich gar nicht um Mord geht. Womit ich übergehe zu Punkt
2. Der Täter: Ich nehme hier den jüngeren (Jugendlicher/junger Erwachsener) Gewaltverbrecher, der schon in frühen Jahren Gewalt begegnet, in einem Umfeld auf wächst, in der Gewalt zum Tagesgeschehen gehört, in der das Recht des Stärkeren ausgelebt wird, in dem ihm selbst Gewalt angetan wird, der schließlich in Ausübung von Gewalt gegen Andere einen Weg findet, um sich gut und besonders zu fühlen. Die Gewaltkarriere dieses Menschen beginnt schon früh, ebnet sich ihren Weg über Schlägereien, die vielleicht schon im Kindergarten, noch spielerisch, aber schon unverhältnismäßig, ihren Anfang finden. Im Laufe seines Lebens erfährt er, dass dem Mitschüler die Nase blutig schlagen zwar Konsequenzen nach sich zieht, diese Konsequenzen aber seinen Lebensstil und sein Lebensgefühl nicht übermäßig einschränken. Und irgendwann steht er dann das erste mal vor dem Jugendrichter und erfährt erneut, dass er zwar falsch gehandelt hat, dieses aber mit dem umherschieben von Omis im Altersheim ab gestraft wird. So verhärtet sich in seinen Gehirnschaltungen womöglich die Einstellung, dass Gewalt zwar (immer noch) falsch ist, aber sie unter bestimmten Umständen (schon wieder) keine Einschränkung für seinen Lebensstil bedeuten oder sein Lebensgefühl einschränken. Er redet sich ein, dass er die Kontrolle über sein Handeln, über seine Gewalt hat, dass er die Gewalt beherrscht und nicht sie ihn, was zutrifft, solange er sich nicht in einer Gewaltsituation befindet. Sobald er aber in sie hineinkommt verliert er die Kontrolle. Sein Adrenalinspiegel steigt, sein Serotoninspiegel sinkt, sein Herz hämmert, sein Blutdruck explodiert mit den Schlägen und Tritten auf sein wehrloses Opfer. Und nun entscheiden die Umstände in seinem Gehirn, die Schaltkreise der Wahrnehmung, die Schutzmechanismen, die vielleicht aktiviert werden, vielleicht nicht,  über den weiteren Verlauf und die Folgen der Eskalation, nun entscheidet die Kondition und der abschließende Zustand des Opfers, der die Gewalt einsteckt, über den Strafbestand, wenn der Gewaltausteiler von der Polizei abgeführt wird, und wenn der Gewalteinstecker noch einmal glimpflich davon gekommen ist, dann ist auch der kleine Bube, der im Kindergarten Schelte für seine unverhältnismäßige Spielerei einsteckte, im großen Buben noch mal glimpflich davon gekommen und sieht seinen Lebensstil und sein Lebensgefühl weiterhin nicht bedroht, bis zur nächsten Gewalttat, die ihn schließlich, auf Kosten des Opfers, stoppt und vorübergehend aus der Gesellschaft entfernt.

Nach meiner Beurteilung entscheiden die Umstände und nicht die Strafen, ob ein Mensch zu Schaden oder gar zu Tode kommt bei einer Gewaltausübung.
Unter diesen Umständen hätten höhere Strafen kaum eine präventive Wirkung, würden den Ausgang einer Gewalttat, vor allem im Laufe der Gewalttat nicht beeinflussen können, nicht abschreckend wirken.

Also müssen wir wohl die Umstände verändern, die zu solchen Taten führen. Und wenn wir die nicht in den Griff bekommen, müssen wir dann die Folgen daraus härter anpacken, brauchen wir dann härtere Strafen schon für Kinder und Jugendliche, schon für leichtere Gewaltverbrechen? Wenn das beinhaltet, dass man sich pädagogisch um die Kleinkriminellen müht, sich mit ihnen zusammen setzt und sich mit ihren Problemen auseinandersetzt, dann würde ich sagen: Ja
Wenn man sie (egal ob Erwachsene oder Jugendliche) nur weg sperrt und ihre Zeit absitzen lässt, dann werden sie vielleicht erneut zur Bedrohung, sobald sie wieder freien Boden unter den Füßen spüren. Dann müsste man sie wohl für immer weg sperren, was aber nicht geht und deshalb sollten wir wohl wieder an die Umstände ran. Und wenn wir das versäumen, dann bleibt der Bild-Zeitung zumindest noch die Schlagzeile.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Wie wir sind - ein Modell-versuch

Die großen Fragen der Religion, Philosophie, Psychologie, Biologie, wer wir sind, woher wir kommen, wohin wir gehen, sie begleiten uns, verfolgen uns, orientieren und desorientieren uns. Wir suchen die Antworten, wir brauchen die Fragen. Auch mich beschäftigen diese Themen immer wieder und gelegentlich konstruiere ich mir eigene Antworten, die mir helfen sollen, mich besser zu verstehen.
Im einfachen, reduzierten und leicht verständlichen Modell sehe ich den besten Zugang zu unserer komplexen Persönlichkeit. Wer sich selbst durchschauen will, sollte sich erst einmal unkompliziert skizzieren, seine Umrisse erstellen, eine Umrandung für sein Ich-Universum zeichnen. Auf dieser Basis kann dann jeder beginnen, die eigenen Inhalte zu erarbeiten.
Zumindest versuchte ich mich mir auf diese Art und Weise näher zu bringen und habe mir ein Typenmodell erdacht, welches mir Orientierung im verdschungelten Konbewußtsein geben sollte. Dieses Modell möchte ich hier nun vorstellen. Wie es zu bewerten ist, überlasse ich jedem selbst und verweise auf den Warnhinweis am Ende des Textes.

Welcher Typ Mensch wir sind, ist die entscheidene Grundlage für die treibende Kraft in menschlicher Bewegung - jede Form von Motivation, die sich in unterschiedlichen Aktivitäten, Kreativitäten, Veranlagungen usw. zeigt, um persönliche bewußte oder unbewußte Ziele zu erreichen. Doch ist die Motivation bei jedem unterschiedlich, auf andere Motivationsursprünge auf andere Typen von Persönlichkeit zurückzuführen. 
Ich unterscheide dabei 4 unterschiedliche Typen, die, nach meiner Überlegung, jeden Menschen anteilsmäßig, mehr oder weniger ausgeprägt, bestimmen (hier in kleinen Grafiken dargstellt):

  1. der Sucher
  2. der Finder
  3. der Warter
  4. der Macher
Im Grunde erklären sich die Begriffe fast von selbst. So könnte ich das Thema nun abschließen und eine Analyse der Fantasie der Leser überlassen, aber das würde mich doch mit einem unbefriedigendem Gefühl und Bildern von ratlosen Suchern zurücklassen. Also hier meine Erklärung, anhand von einigen Beispielen:
Der Sucher – ist jemand, der ständig auf der Suche ist. Naja, was soll ich dazu noch sagen, am besten kann man darunter den ewig Getriebenen verstehen, der im Grunde gar nicht weiß, was er will oder braucht. In jedem Menschen steckt der Sucher, aber wie bereits beschrieben, anteilig mehr oder weniger verteilt. Ist ein Teil besonders stark in einer Person ausgeprägt, verdrängt er anteilig die anderen Typen. Dies ist Kernstück meiner These, dass sich die vier Typen, wie in einem Kuchen verteilen, wobei sie in der Regel nicht überdimensioniert viele Raum für sich beanspruchen. Bei extremen Unterschieden zugunsten eines Typus, kann man wohl schon von krankhaften Zügen sprechen.
Der Finder – der Hans im Glück, bei ihm scheint alles zu klappen, das Schicksal meint es scheinbar immer gut mit ihm. Der ausgeprägte Finder lebt in den Tag hinein, genießt sein Leben ohne sich viele Gedanken zu machen, lässt sich intuitiv leiten und findet dabei doch immer den richtigen Weg. Anteilig sind aber beim Finder die anderen Typen wichtig, zu dessen Verteilungsbeispielen ich gleich noch komme, die seine Bewegungsgrundlage bestimmen, denn den reinen Finder gibt es so wohl nur im Märchen. Der manische Zustand würde wohl einem besonders dominierenden Finder am ehesten entsprechen. Wobei das finden sich dann bei ihm wohl nur auf die subjektive Wahrnehmung beschränkt.
Der Warter – der stoische Langweiler, nicht besonders aktiv und etwas träge wälzt er sich durch das Treiben um ihn herum.
Der Macher – nimmt die Dinge in die Hand, er macht was draus, ob nun auf seinem Mist gewachsen oder er bedient sich der Stärken anderer Typen, die ihre eigenen Macher nicht ausleben/ausleben können, und er verfügt über die nötige Ausdauer, um seine Ziele umzusetzen. Kampfgeist ist ein weiteres Merkmal des Machers sowie Egoismus. 

Wichtig in diesem Zuordnungsversuch ist die Verteilung der vier Typen auf den Kuchen, die bestimmen sollen, wie wir sind. Der ganze Kuchen zusammengebacken ist dann das, was wir unter Persönlichkeit oder Charakter verstehen, die Menschen mit denen wir uns jeden Tag herum schlagen müssen.
Folgend ein paar Verteilungsmöglichkeiten, wobei ich  mir eine präzise anteilsmäßige Verteilung in der Erklärung erspare. Es soll ja schließlich nur ein Orientierungsmodell sein und keine komplexer Leitfaden zur Charakteranalyse:
Der Denkertyp, der schlaue Fuchs, das Genie, wie auch immer, setzt sich zum großen Teil aus dem Typus des Suchers und des Finders zusammen. Er liebt es, sich komplexen Aufgaben zu stellen, zu forschen und findet auch noch die passenden Lösungen dazu. Der Finderanteil übernimmt dabei die Rolle des spontanen Einfalls, des Geistesblitz, der zum gewünschten Ziel führt. Zusammen genommen sind die beiden wohl das, was wir unter Intelligenz verstehen. In der Regel ist der Macher im Denkertyp zurückgestellt, sodass er nicht über ein motiviertes Geschick verfügt, seine Ideen in der Gesellschaft erfolgsorientiert und zu seinem persönlichen Vorteil umzusetzen.
Ganz im Gegenteil dazu steht der Losertyp, der Versager, der zwar über ausreichend Sucher verfügt, dem aber der nötige Finder fehlt, etwas wichtiges zu schaffen. Hat der Sucher noch eine ausgeprägte Tendenz zum Macher, dann neigt er vielleicht dazu, sich mit Betrug oder Gewalt Erfolg zu verschaffen, könnte sich aber auch als erfolgloser Kleinunternehmer versuchen, um mit einer schlechten Idee das große Glück zu finden (und natürlich scheitert).
Der Kapitalist, der Betriebswirtschaftler, aber auch der Sportler oder Arbeiter z.b., das sind die Macher in meinem Modell. Der Macher denkt produktiv, ziel- und erfolgsorientiert, er braucht auch Statussymbole, die ihn als erfolgreichen Macher erkennen lassen. Manchmal verfolgt der ausgeprägte Macher skrupellos seine Ziele, je nach dem, wie die Typenanteile in ihm zu finden sind. Sich körperlich einzusetzen ist eine andere Art des Machers, seine Ziele zu erreichen, vor allem, wenn der Finder in ihm nicht besonders stark vertreten ist. Der erfolgreiche Sportler z.B. besitzt jede Menge Ehrgeiz, ein Merkmal des Suchers, handelt aber nicht intuitiv oder lösungsorientiert, was den Finder voraussetzt und natürlich viel Macher. Ehrgeiz und Ausdauer bringen ihn in Bewegung.
Der Künstler ist schwieriger, würde ich ihn aber auch eher in Richtung Macher sehen, mit einem ausgeprägtem Teil an Finder, den Sucher wahrscheinlich etwas vernachlässigt, denn der gute Künstler arbeitet intuitiv.
Der Anteil des Warters ist dabei für jeden Menschen eine wichtige Komponente. Der Warter, der das Gegenteil von jeglichem Ehrgeiz verkörpert, bringt die nötige Ruhe und Gelassenheit in uns, sollte aber nicht die Oberhand gewinnen, weil es sich sonst negativ auf das Gesamtbild auswirkt. Wie sich der Einfluss des Warters auf eine Persönlichkeit aber genau auswirkt, je nach dem, wie stark er in welchen Konstellationen vertreten ist, kann ich aber nicht genau sagen. Das ist ein ungelöstes Geheimnis des Warters.
Natürlich steht der Mensch in Wechselwirkung mit seiner Umwelt, so können sich die Verhältnisse der Typen verändern, verschieben. Vor allem der Warter kann sich hier Raum verschaffen, der sich ausdehnt, wenn jemand ständig versucht gegen nicht einzureißende Widerstände anzurennen und dem die Energie dafür mit der Zeit ausgeht. Auch das Alter fördert den Warter in uns.

Es sind viele der unterschiedlichsten Verteilungen vorstellbar, die viele der unterschiedlichsten Menschentypen hervorbringen. In den Grundzügen unserer Persönlichkeit bleiben wir jedoch gleich, bleiben Sucher, Finder, Macher oder Warter.

ACHTUNG ACHTUNG ACHTUNG ACHTUNG
!!!!!Ob dieses Modell einer tiefer gehenden, wisschenschaftlichen Analyse standhält und Grundlage für persönliche Erfolgsmodelle werden kann oder zu einer Selbstanalyse/therapie taugt, möchte ich nicht beurteilen!!!!!
ACHTUNG ACHTUNG ACHTUNG ACHTUNG