Samstag, 28. November 2009

Claudia Pechstein - das muss wohl Pech sein

Die Claudia hat es jetzt auch erwischt, steckt sie nun knöcheltief im Dopingsumpf, was für sie schon schlimm genug ist, denn als Eisschnelllaufolympikin ist sie auf ihre Knöchel besonders angewiesen.
"Nur" auffällige Werte zerren an der athletischen Figur und mobilisiert in Pechstein den Widerstand, gegen den Irrsinn der Bewegung für mehr Sauberkeit im Sport anzutreten, wie wir ihn in letzter Zeit schon oft medial verfolgen konnten. "Ich habe nicht gedopt" ist aus dem Munde eines Spitzensportlers dabei wohl eines der wichtigsten und glaubwürdigsten Argumente, um die eigene Unschuld zu unterstreichen, denn dieses anzuzweifeln, unsere Vorbilder und Idole, die weißen Ritter im Kampf um internationale Überlegenheit und Anerkennung zu beschmutzen, lässt sofort und immer wieder die Säulen des Sportpalastes auf der Spitze des Olymps erzittern. Und wird dann doch einer dieser glänzenden Krieger vom Ross geworfen, dann stürzen gleich alle Schuhsohlen zusammen, um ihn so schnell und so tief wie möglich in den Schlamm zu treten, damit nichts mehr übrig bleibt vom einstigen Glanz und die geblendeten Blicke der sterblichen Bewunderer wieder ungehindert auf die ungedopte Streitmacht der Sportgötter fallen können.
Aber wir wissen doch alle, auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen und uns von den Argumenten der Schönredner besänftigen lassen, dass der Sport mit Aufputschmitteln, Leistunsgverbesserern, kurz Doping, durchsetzt und durchtränkt ist. Die bekannt gewordenen Dopingskandale aber werden zu Einzelfällen stigmatisiert, die Ben Johnsons des Leistungssports in abschreckenden Medienschauprozessen abgestraft, die uns sagen sollen, dass im Grunde nicht gedopt werden kann, ohne erwischt zu werden und nach der Unschuldsvermutung die anderen Sportler demnach alle clean sind, weil sie nicht erwischt wurden.
Und deshalb kann auch die Pechstein vor die Gerichte ziehen, denn ein ganzes Volk steht mit Pippi in den Augen hinter ihr und drückt die Daumen, um die verbeulte Weste des Sports wieder gerade zu biegen.
Also, wie soll es weiter gehen im Leistungsport? Alle dopen, weil sie dopen müssen, denn sobald einer das Zeug nimmt, wird er auch gewinnen, und weil alle gewinnen wollen, auch die Ehrlichen, müssen eben alle dopen. Also warum noch weiter aussichtslos, weil der Kampf nicht gewonnen werden kann, und halbherzig, weil der Kampf nicht gewonnen werden will, gegen Doping kämpfen? Nur wegen des Images des sauberen Sport?
Dazu  hab ich leider nur eine, selbst für mich unbefriedigende Antwort: Machen wir einfach so weiter wie bisher: Das Katz und Maus Spiel, mit fetten Katzen, die eigentlich keine Mäuse mehr fressen und Mäusen die chemisch manipuliert umherflitzen und die Massen unterhalten, mit Mausefallen, die zeigen, dass die falschen Ratten leicht zu fangen sind und dem Einfallsreichtum der Nager, die Fallen wieder auszutricksen, und die überraschten und fassungslosen Reaktionen von Katzen und Mäusen, wenn sie dann doch erwischt werden, das folgende Medienspektakel und die Einschaltquoten und die Bestürzung und Empörung und das Verblassen des Donners im Jubel und Blitzgewitter der kommenden Spiele. Wenn das mal kein leckeres Brot ist für die Sesseltiger, dann weiß ich es auch nicht.

Samstag, 21. November 2009

Funktionierender Sozialismus, frei nach Kon

Das Weltwirtschaftssystem bricht zusammen, die Kapitalmärkte implodieren, die Gesellschaftsprobleme explodieren. Massen bewegen sich mit Pflastersteinen bestückt, stürzen die Demokratie in eine Diktatur, werden niedergeschlagen vom einstigen Wohlfahrtsstaat.... So und nicht anders könnte es bald überall auf der Welt aussehen, wenn das Kapital als der oft verbildlichte gefräßige Drache, sich am Ende aus reiner Gier selbst verschlingt und der kapitalistisch erkämpfte Reichtum weniger, nur noch mit der Unterdrückung vieler bewahrt werden kann.
Die Zeichen dafür stehen, zumindest aus meiner Sicht, nicht so schlecht dafür: Wirtschaftskrise, Klimakrise, Währungskrise, Bildungskrise, Gesundheitskrise usw., wo man auch hinsieht, eine Krise umkreist die andere.
Auf die aktuelle Wirtschaftskrise reagieren die Staaten mit dem scheinbar einzigen Mittel, um das nimmersatte Kapitalmonstrum zu besänftigen, und stopfen ihm noch mehr Kapital in den Rachen.
Und so scheint er erst mal besänftigt, kaut genüsslich auf den goldenen, aus Steuergeldern gepressten Konjunkturwürsten herum. Aber die sogenannten Wirtschaftsweisen sehen schon die nächste Jahrhundertkrise auf uns zu rollen. Der Drache ist immer in Bewegung.
Die einzige Rettung wahrsagen sie im eigentlichen Übel, dem Wunderkind Wachstum, das ewig weiter wachsen soll, aber in seiner Ausdehnung immer mehr Raum und Nahrung verschlingt.
Wachstum an sich ist ja nichts Schlimmes, aber in unserer Welt, in unseren Wertesystemen scheint es mehr zu zerdrücken als zu erleichtern. Der Antrieb des Wachstums in unserer Gesellschaft ist nämlich nicht die Nächstenliebe, sondern die Gier, dient dem reinen Selbstzweck. Kurz gesagt: Unsere kapitalistisch orientierten Staatsformen sind auf lange Sicht zum Scheitern verurteilt.
Und so möchte ich hier kurz zusammen gefasst eine alternative Staattsform vorstellen, von der ich weder weiß wie sie umgesetzt werden soll, noch ob sie überhaupt umgesetzt werden kann.
Weil es sich um eine nie da gewesene, utopische Konstruktion handelt, gebe ich ihr, damit sie besser zugeordnet werden kann, einen eigene Bezeichnung: Der funktionierende Sozialismus -> Konninismus.
Damit aber der Konninismus wirklich funktionieren kann, müssen erst einige Grundvoraussetzungen geschaffen sein.
Dass ich in einem Blog kein komplexes Gesellschaftssystem entwerfen kann, ist ja wohl jedem Leser klar, deshalb werde ich mich auf die Basisbedingungen beschränken, die notwendig sind, damit eine gerechte Welt ohne Gier entstehen kann:
Drei Grundbedürfnisse von Existenzen, damit diese konkurrenzlos leben können, müssen gesichert und frei und unentgeltlich zur Verfügung stehen. Das ist zum ersten Nahrung, zum zweiten Energie und zum dritten Wohnraum. Das ist sozusagen die Basis, auf der der Konninismus aufbaut und gedeihen kann.
Der Wohnraum ist fest zugeordnet, eine bestimmte Größe die sich z.B. an der Anzahl einer Familie orientiert, bzw. einer qm-Größe pro Kopf, die festgelegt ist und nicht vergrößert werden kann. Ich behaupte mal, dass nicht das Kapital an sich Übel bewirkt, sondern u.a. die Möglichkeit, sich mit Kapital Wohnraum anzueignen. Gleicher Wohnraum für alle würde zumindest dieses Wettbewerbsproblem auflösen.
Aber auch im Konninismus soll sich Leistung lohnen. Der Mensch verfügt über ein neuronales Belohnungssystem, welches man berücksichtigen muss. Arbeit an sich ist aber freiwillig, da die Existenz des Menschen durch die freie Verfügbarkeit der drei genannten Grundbedürfnisse gesichert ist, kann sich jeder selbst entscheiden, ob er etwas leistet und was er leistet. Wer aber nichts macht, der bekommt auch kein Geld (im Konninismus gibt es keine handfeste Währung, sondern nur virtuelle Einkommen bzw. Ausgaben, denn virtuelles Kapital verursacht vielleicht weniger Begehrlichkeiten, zumindest würden sich die Raubüberfälle erübrigen, das nicht übertragen werden kann, wenn keine Gegenleistung erbracht wird. Virtuelles Kapital muss ich wohl nicht erklären, wir kennen es und nutzen es heute schon täglich). Es gibt also kein sogenanntes Grundeinkommen, nein, wer sich etwas leisten will, sprich konsumieren, der muss auch etwas leisten. Wo er diese Leistung erbringen will, das kann er jedoch selbst und nicht aus der Not heraus entscheiden. Ob als Student, Dozent, ob in der Verwaltung oder in der Industrie, in der Forschung oder im Sport, als Straßenkehrer oder Zahnarzt, jeder kann machen, was er gerne möchte. Anders als in unseren Leistungsgesellschaften bekommt im Konninismus jeder für jede Leistung ein einheitliches Gehalt, welchem aber eine Art Bonussystem angehängt ist, damit sich Engagement und Motivation auszahlt. Wie genau das ablaufen kann, lasse ich hier offen, aber eins ist sicher, das Bonussystem wird in meinem Sozialismus nicht zu einem großbäuchigem Ungetüm heranwachsen, da es gar nicht ausreichend Möglichkeiten gibt, aufgrund der Wohnraumbegrenzung, Kapital in erkennbaren Wohlstand umzuwandeln. So wird sich ein fairer und funktionierender Kapitalmarkt aufbauen. Die Industrien sind verstaatlicht, verwalten sich aber selber. Gewinne die erwirtschaftet werden, fließen, da sie in Form von Privatvermögen fast nutzlos geworden sind, zu 100% wieder in die Wirtschaft und damit in die Gesellschaft zurück. Natürlich wird sich Wachstum im Konninismus nur noch im Schneckentempo fortbewegen, wenn überhaupt, das Wohlbefinden aller wird auf gleichem Niveau im Zeitlupentempo aber stetig ansteigen.
Wie gesagt, es ist ein utopisches, futuristisches Gesellschaftsbild und lässt mehr Fragen offen, als es Antworten gibt, aber ich bin sicher, es wird kommen, irgendwann, hoffentlich bevor die Welt untergeht.

Freitag, 13. November 2009

Depression - ein realistischer Blick auf das eigene Sein

Warnung: Zur Depression neigende, zu selbstkritische und labil-traurige Persönlichkeiten lesen besser nicht weiter!

Seit Robert Enkes Selbstmord redet ganz Deutschland darüber und findet sie als neue Volkskrankheit wieder: die Deppression.
Viele haben sie, fast jeder hatte sie mal gehabt oder wird sie noch haben. Jeder 5 soll daran leiden, insgesamt rund 4 Millionen. Ein Fall wie der des Profitorwarts, so tragisch er ist, scheint wie ein Befreiungsschlag über die deutschen Landen zu ziehen, denn vorher war es das große Tabuthema, die Krankheit, die heimlich ihre Opfer sucht und findet. Jetzt sehen all die depressiven und irgendwann mal depressiven die Chance, aus zu leben, was sie schon lange beschäftig und begleitet. Jetzt dürfen sie endlich depressiv sein, ohne sich schämen zu müssen, denn sie haben in der Figur Enke alle eine neue, prominente Identifikationsfigur gefunden, eine Gallionsfigur, die vorne ans sinkende Schiff gefesselt, einen guten Rammbock gegen die Mauer des Schweigens macht. 
Auch wenn wir inzwischen, dank der Medien, wohl alle wissen was Depressionen wirklich sind und wie sie sich in uns zeigen, möchte ich es hier noch einmal kurz verständlich machen.
Eine klinische Erklärung findet sich im ICD 10 für Depressionen:
[...] leidet der betroffene Patient unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von sogenannten "somatischen" Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust.[...]
Und das ist wohl der Beweis, dass wir sie eigentlich alle kennen, diese kurzen oder langen Episoden der Verzweiflung, die Zeiten der Schwere und die Gedanken über Sinnlosigkeit. Um es im fachjaggon zu beschreiben: Das ist mal wirklich krank [sick!]
Ich möchte diesen trägen Blick nun etwas verfeinern, vertiefen und beflügeln, denn ich glaube nicht, dass es sich um eine Krankheit oder einen heilbaren Zustand handelt, sondern um eine einfache Konsequenz, die Eintritt, wenn unser Bewußtsein die vorgelebte Bedeutung von Sein ablegt und zu einer pragmatischen und einer realistischen Analyse verkehrt. Das kann durch externe Einflüsse, durch Schicksalsschläge, Stress usw. oder durch interne Auswüchse spontaner Sinnlosigkeit und Auswegslosigkeit ausgelöst werden. Dann fallen wir alle in ein mehr oder weniger tiefes, mehr oder weniger dunkles Loch und hocken zusammengekauert in uns selbst.
Ist doch eigentlich sinnlos. Wozu braucht der Mensch die Depression, ist sie doch evolutionär gesehen vollkommen unvorteilhaft. Genau. Im Kampf um die besten Plätze auf der Bühne des Lebens ist Stärke ein Vorteil, Überleben eine Gunst und Bewusstsein eine Macht, aber auch ein Risiko, wie wir inzwischen erkannt haben. Bewusstsein erobert die Welt, beherrscht sie und vernichtet sie, vielleicht vollkommen und bis zum bitteren Ende und wäre dann eine Sackgasse auf der Überholspur im Artenkampf.
Wir gehen jetzt mal davon aus, dass Leben nur Zufall und Evolution ist und Bewusstsein nur eine Folge von Genkreuzungen, dass es keinen Gott gibt und kein Leben nach dem Tod, was ist das Sein dann? Das Sein ist dann eine Insel inmitten des Nichts oder ein kleiner, leuchtender Platz, auf dem Boden eines tiefen, schwarzen Loches. Und nur das Bewusstsein ist in der Lage, dies zu erkennen. Die Möglichkeit sich selbst inmitten des Raumes zu betrachten und zu bestimmen, ist vielleicht die Krönung einer Art auf unserem Planeten, aber auch ein schwere Last, die zur Belastung wird, geht einmal das Licht aus und lässt einen Blick auf das schwarze, alles verschlingende Ungetüm zu, welches uns ständig im Nacken sitzt. Nur der bewusste Blick auf das Sein gibt uns die Möglichkeit die eigene Sinnlosigkeit zu erkennen. Und um das zu verhindern, damit wir unseren evolutionärem Zweck nachkommen, hat sich das selbst erkennende Ich, im Laufe von hundertausenden von Jahren, Möglichkeiten gesucht, die Welt und sich selbst durch eine funktionierende Brille zu betrachten, hat sich mentale und folgend genetische (das scheinbar gefundene Gottes-gen) Filter eingerichtet, mit dem es sich das eigene Überleben sichert. Und es scheint in der Regel gut zu funktionieren, denn sonst würde ich hier nicht sitzen und über meine persönliche Unsinnigkeit schreiben. Aber wenn es mal nicht funktioniert, wenn die Filter abgerissen werden oder die Brille gar zerbricht, wenn die Energie nicht mehr ausreicht, die Lampen ausgehen, die unserem Platz im Loch einen Schein von Orientierung und sinnvoller Selbstdarstellung geben, unsere Insel der Existenz in Dunkelheit tauchen, dann erleben wir das kalte Grauen, dann sehen wir uns dort, wo wir herkommen und hingehen, dann erleben wir einen reinen und geklärten Blick auf die eigene Existenz. Das einzige was uns jetzt noch retten kann sind die natürlichen Ressourcen, die unsere Filter wieder instand setzen oder die medikamentösen Betablocker, Serotoninaufstocker, Dopaminausschütter, Neurotransmitterhaushaltinordnungbringer und Gesprächs- und Verhaltenstherapie.
Ja, es gibt einen Weg aus der Dunkelheit, aber leider nur zeitlich begrenzt.

Um noch mal zu Robert Enke zurück zu kommen. Er musste viel halten, zu viel halten. Am Ende hat er es dann nicht mehr ausgehalten und das Tor freigegebenen. Es kann jeden von uns treffen. Besser, wenn wir darauf vorbereitet sind.

Dienstag, 10. November 2009

Samstag, 7. November 2009

Warum Bejeweled süchtig macht (vor dem spielen bitte lesen)

Wie sicherlich bemerkt wurde, habe ich zu meiner und allgemeiner Unterhaltung ein paar Onlinespiele in die Seitenleiste gelinkt, u.a. auch Bejeweled, das lustige Edelsteinspiel. Ich kannte das Spiel vorher eigentlich nur vom hören-sagen, von einem Onlinekollegen, der mich vor Jahren schon mal subtil in die Sucht reinlegen wollte, wahrscheinlich weil er selbst süchtig war und nicht ertragen konnte, wie ich sinnvoll meine Zeit gestaltete, während er bejewelte, aber damit bei mir scheiterte. Damals habe ich es angefangen, war es jedoch schnell wieder leid. Es hatte mich nicht gepackt, war mir wohl etwas zu schwierig, vor allem, weil ich nur wenige Punkte verdiente und mich mit einem Millionenhighscore konfrontiert sah, den ich wohl niemals zu erreichen hoffte, was mein Ego beleidigte und demotivierte.   
Vor ein paar Tagen, nach der Installation von Frogger und diesem anderen Spiel, probierte ich mich dann wieder an Bejeweled, immer meinen Onlinekollegen im Hinterkopf, der mich wie ein Kobold im Nebelwald aus seinem sicheren Versteck heraus auslachte, weil ich so ein mieser Spieler war. Als ich die 100.000 Punktemarke knackte, war ich schon lange süchtig. Süchtig geworden nach zwei Tagen und ca. 40 Spielen. Nur Crack macht schneller süchtig. Natürlich muss gesagt sein, dass exzessiv betrieben alles süchtig machen kann, aber Bejeweled macht schneller süchtig und süchtiger süchtig als andere Dinge, die nicht unter das BtMG (Betäubungsmittelgesetz) fallen.
Um meiner Sucht zu entkommen, schreibe ich sie mir nun von der Seele. Ich hoffe, nach diesem Kommentar bin ich geheilt, oder habe zumindest meine Sucht so weit unter Kontrolle, dass ich nur noch ab und zu spiele.
Was mich aber viel mehr interessierte war, warum das Spiel mich so süchtig macht, schließlich gibt es etliche andere Spiele, Frogger z.B., welches mich nur wenig begeistert, und ist für mich bloß eine Art programmierter Ode meiner Kindheitserinnerungen. Um ein Problem zu verstehen, müssen wir es analysieren, es auseinander nehmen und in seinen Einzelbausteinen betrachten:
Als erstes sehen wir einen aufeinander geschichteten Haufen von bunten Steinen. Und da hat der aufmerksame Betrachter schon den ersten süchtig machenden Einzelbaustein gefunden: Edelsteine - Smaragde, Diamanten, Brillanten, Kristalle in schillernden und funkelnden Farbtönen.
Da hat sich der Programmierer was bei gedacht, denn Edelsteine machen, bzw. das, wofür sie stehen in unserer Welt, für Geld, Luxus, Macht, macht süchtig. Ganze Städte wurden zerstört und wieder aufgebaut mit Hilfe von Edelsteinen. Machen wir uns nichts vor, keiner kann einer Handvoll Diamanten widerstehen.
Die Oberfläche des Spiels richtig analysiert, dringen wir nun in seine Struktur vor. Die Steine sind in einer Art Gitternetz angelegt, ähnlich dem Gitternetz der Synapsen unseres Gehirns. Das mag für denen einen vielleicht weit her geholt klingen, aber für mich ist es eindeutig und ein weiterer Baustein der Sucht. Ein Haufen von unabhängigen Informationsträgern, die einzeln unbedeutend, aber im Ganzen betrachtet ein sinnvolles Miteinander, ein logisches und intelligentes Kommunikationssystem erstellen und unterhalten, genau wie unser Denkapparat.
Auch die Geräuschkulisse im Spiel, die immer wieder auf blitzenden elektrischen Entladungen, sind für mich ein indirekter Bezug auf die Synapsenaktivitäten, die sich mittels Stromstößen austauschen und aktivieren. Die Einfachheit des Spiels ist der Einfachheit unseres Gehirns nachgestellt --> bringe drei gleich Steine zusammen und schütte Dopamin und Serotonin aus. Am Anfang sucht unser Auge im Spiel noch träge und langsam nach diesen Zusammenhängen, aus denen aber, nach nur eine Nacht und wirren Träumen von im Stau stehenden Karnevalsumzügen, schnell ein unterbewusst ablaufender manischer Rausch geworden ist, bei dem es nur so blitzt und blinkt und die Maushand zuckt wie ein an Land geworfener Kabeljau. Mit jedem verschwinden von bunten Edelsteinen, werden die Synapsenbahnen im Gehirn breiter getreten, können mehr Glücksgefühle
transportiert werden. Ja, es ist erschreckend, eine so sinnlose Tätigkeit wie Bejeweled spielen führt zu einem genetisch durchdachten, evolutionär ausgetüftelten Überlebensreiz, eigentlich entstanden um uns einen Vorteil im Wettbewerb der Arten zu verschaffen. Und dieser Vorteil bannte/bannt mich und viele andere Onlinesüchtige stundenlang an dieses Spiel. 

Das war meine Suchtanalyse zu Bejeweled. Hoffentlich nachvollziehbar und abschreckend genug.

PS. Ich werde das Spiel aber vorerst nicht aus meinem Blog nehmen, nicht um euch in Versuchung zu bringen, sondern um meinen Widerstand zu formen und zu festigen. Du musst dich mit deiner Sucht auseinandersetzen, sie verstehen, sie akzeptieren und dich ihr mit festem Stand gegenüberstellen. Sonst wirst du sie nie los und sie wird dich als lachender Kobold im Nebelwald ein Leben lang verfolgen.

mfG
Euer Bejeweldtherapeut

Dienstag, 3. November 2009

Die Arschkriechertheorie

Wir kennen sie alle, die Schleimer, die Speichellecker oder so genannten Arschkriecher, oder wir glauben sie zu kennen. Sie sind ein Teil unserer Gesellschaft, oder sind sie unsere Gesellschaft? Vielleicht baut unser ganzes soziales Zusammensein auf Arschkriecherei auf, ist zumindest eine wichtige Komponente in der Sozialpsychologie. Diese Idee versuche ich nun zu analysieren, gebe einen einfachen Erklärungsfaden, der komplizierte Verhaltensmuster vom Miteinander der Menschen darstellt und auf das Wesentliche reduziert: das Arschkriechen.
Ich gehe hier davon aus, dass es in jedem von uns steckt, das Bedürfnis in die Ärsche anderer zu kriechen. Jeder ist somit ein Arschkriecher, auch wenn wir uns selbst nicht als solchen sehen. Es ist ein klares Verhaltensmuster, das auch verantwortlich dafür ist, dass die Menschen sich nicht immer gut verstehen, dass sie nicht zueinander passen oder besser ausgedrückt ineinander passen.
Anhand einfacher grafischer Darstellungen versuche ich dieses Prinzip zu erklären.

Wir sehen hier zwei Typen von Arschkriechern, welche die Vielfalt von Persönlichkeit darstellen sollen.
Den eckigen und den runden Kriecher:







Diese beiden Formen müssen nun, weil es ihrer Natur entspricht, immer in Ärsche zu kriechen, hinein in die dunklen warmen Backen. Das Problem ist nun aber, dass die angestrebte Höhle der Form des Kriechers entsprechen sollte, wie wir auf folgender Grafik erkennen können:









Dies ist aber nicht immer der Fall. Die Aufenthaltsorte der Individuen sind, hier vereinfacht dargestellt, entweder eckig oder rund. Das kann aber der Aufenthaltssucher in der Regel vorher nicht wissen oder erkennen. So schiebt er sich durch die Öffnung hindurch und muss bemerken, dass, wenn die Formen unterschiedlich sind, er eigentlich nicht hineinpasst. Was passiert jetzt?
Es gibt zwei Möglichkeiten, er bleibt drinnen oder er wird ausgeschieden.
Wenn er im Arsch stecken bleibt, gibt es mehrere Prozesse, die dann in Gang gesetzt werden und das zukünftige Miteinander bestimmen.
  1.  Der Kriecher passt sich seiner Umgebung an. Er verändert seine Form, seine Gestalt (seine Persönlichkeit) und bringt sich in die Form, die vom Arsch vorgegeben wird. Eine Harmonie ensteht.
  2. Der Kriecher passt sich nicht an. Er hat soviel Härte, Stärke und Ausdauer, dass er den Raum nach seinen Bedürfnissen verändert, also umgekehrt, die Gestalt, Form des Arsches verändert. Auch hier entsteht eine Harmonie.
  3. Der Kriecher passt sich nicht an, der Arsch passt sich ebenfalls nicht an. Ein Ausscheidungsprozess kommt aber, unter welchen Umständen auch immer, nicht in Frage. Dies ist eine sehr unangenehme Situation, sowohl für den der rein kommt, als auch für den, der rein lässt. Eine Disharmonie entsteht. 
In der Regel wird der Arsch immer versuchen, den unangenehmen, nicht passenden Eindringling raus zu drücken. Das geschieht in der Regel sehr schnell, man merkt also sofort, wenn man nicht zusammen passt und geht sich aus dem Weg. Leider sind wir oft gesellschaftlich z.B. im Beruf aneinander gekettet, finden keine Ausweichmöglichkeiten und müssen nach der Arschkriechtheorie in Disharmonie miteinander leben, weil wir keine Einigungsmöglichkeiten zulassen.
Diese einfach verbildlichte Analyse ist vom Prinzip her auf alle komplizierten Beziehungen zwischen Individuen übertragbar, nur sind unsere Formen eben nicht nur quadratisch oder rund, sondern viel komplexer, mit vielen Kanten und Kerben, mit vielen Höhen und Tiefen, und somit sind auch die Anpassungsprozesse in der Wirklichkeit viel komplexer, müssen wir z.B. manche Dinge an uns verändern, können wir andere beibehalten.
Auch die Anpassungsphasen als Solche können sich über einen längeren Zeitraum dehnen, brauchen Zeit, Veränderungen stellen sich vielleicht nach Jahren ein, vielleicht nie. Manchmal müssen wir viel Geduld mitbringen. Der schnellste und schmerzloseste Weg jedoch findet sich über die Einsichten, im wahrsten Sinne des Wortes, in den Arsch hinein sehen, die Formen erkennen, wenn wir in Harmonie miteinander und ineinander leben möchten.