Wie sicherlich bemerkt wurde, habe ich zu meiner und allgemeiner Unterhaltung ein paar Onlinespiele in die Seitenleiste gelinkt, u.a. auch Bejeweled, das lustige Edelsteinspiel. Ich kannte das Spiel vorher eigentlich nur vom hören-sagen, von einem Onlinekollegen, der mich vor Jahren schon mal subtil in die Sucht reinlegen wollte, wahrscheinlich weil er selbst süchtig war und nicht ertragen konnte, wie ich sinnvoll meine Zeit gestaltete, während er bejewelte, aber damit bei mir scheiterte. Damals habe ich es angefangen, war es jedoch schnell wieder leid. Es hatte mich nicht gepackt, war mir wohl etwas zu schwierig, vor allem, weil ich nur wenige Punkte verdiente und mich mit einem Millionenhighscore konfrontiert sah, den ich wohl niemals zu erreichen hoffte, was mein Ego beleidigte und demotivierte.
Vor ein paar Tagen, nach der Installation von Frogger und diesem anderen Spiel, probierte ich mich dann wieder an Bejeweled, immer meinen Onlinekollegen im Hinterkopf, der mich wie ein Kobold im Nebelwald aus seinem sicheren Versteck heraus auslachte, weil ich so ein mieser Spieler war. Als ich die 100.000 Punktemarke knackte, war ich schon lange süchtig. Süchtig geworden nach zwei Tagen und ca. 40 Spielen. Nur Crack macht schneller süchtig. Natürlich muss gesagt sein, dass exzessiv betrieben alles süchtig machen kann, aber Bejeweled macht schneller süchtig und süchtiger süchtig als andere Dinge, die nicht unter das BtMG (Betäubungsmittelgesetz) fallen.
Um meiner Sucht zu entkommen, schreibe ich sie mir nun von der Seele. Ich hoffe, nach diesem Kommentar bin ich geheilt, oder habe zumindest meine Sucht so weit unter Kontrolle, dass ich nur noch ab und zu spiele.
Was mich aber viel mehr interessierte war, warum das Spiel mich so süchtig macht, schließlich gibt es etliche andere Spiele, Frogger z.B., welches mich nur wenig begeistert, und ist für mich bloß eine Art programmierter Ode meiner Kindheitserinnerungen. Um ein Problem zu verstehen, müssen wir es analysieren, es auseinander nehmen und in seinen Einzelbausteinen betrachten:
Als erstes sehen wir einen aufeinander geschichteten Haufen von bunten Steinen. Und da hat der aufmerksame Betrachter schon den ersten süchtig machenden Einzelbaustein gefunden: Edelsteine - Smaragde, Diamanten, Brillanten, Kristalle in schillernden und funkelnden Farbtönen.
Da hat sich der Programmierer was bei gedacht, denn Edelsteine machen, bzw. das, wofür sie stehen in unserer Welt, für Geld, Luxus, Macht, macht süchtig. Ganze Städte wurden zerstört und wieder aufgebaut mit Hilfe von Edelsteinen. Machen wir uns nichts vor, keiner kann einer Handvoll Diamanten widerstehen.
Die Oberfläche des Spiels richtig analysiert, dringen wir nun in seine Struktur vor. Die Steine sind in einer Art Gitternetz angelegt, ähnlich dem Gitternetz der Synapsen unseres Gehirns. Das mag für denen einen vielleicht weit her geholt klingen, aber für mich ist es eindeutig und ein weiterer Baustein der Sucht. Ein Haufen von unabhängigen Informationsträgern, die einzeln unbedeutend, aber im Ganzen betrachtet ein sinnvolles Miteinander, ein logisches und intelligentes Kommunikationssystem erstellen und unterhalten, genau wie unser Denkapparat.
Auch die Geräuschkulisse im Spiel, die immer wieder auf blitzenden elektrischen Entladungen, sind für mich ein indirekter Bezug auf die Synapsenaktivitäten, die sich mittels Stromstößen austauschen und aktivieren. Die Einfachheit des Spiels ist der Einfachheit unseres Gehirns nachgestellt --> bringe drei gleich Steine zusammen und schütte Dopamin und Serotonin aus. Am Anfang sucht unser Auge im Spiel noch träge und langsam nach diesen Zusammenhängen, aus denen aber, nach nur eine Nacht und wirren Träumen von im Stau stehenden Karnevalsumzügen, schnell ein unterbewusst ablaufender manischer Rausch geworden ist, bei dem es nur so blitzt und blinkt und die Maushand zuckt wie ein an Land geworfener Kabeljau. Mit jedem verschwinden von bunten Edelsteinen, werden die Synapsenbahnen im Gehirn breiter getreten, können mehr Glücksgefühle
transportiert werden. Ja, es ist erschreckend, eine so sinnlose Tätigkeit wie Bejeweled spielen führt zu einem genetisch durchdachten, evolutionär ausgetüftelten Überlebensreiz, eigentlich entstanden um uns einen Vorteil im Wettbewerb der Arten zu verschaffen. Und dieser Vorteil bannte/bannt mich und viele andere Onlinesüchtige stundenlang an dieses Spiel.
Das war meine Suchtanalyse zu Bejeweled. Hoffentlich nachvollziehbar und abschreckend genug.
PS. Ich werde das Spiel aber vorerst nicht aus meinem Blog nehmen, nicht um euch in Versuchung zu bringen, sondern um meinen Widerstand zu formen und zu festigen. Du musst dich mit deiner Sucht auseinandersetzen, sie verstehen, sie akzeptieren und dich ihr mit festem Stand gegenüberstellen. Sonst wirst du sie nie los und sie wird dich als lachender Kobold im Nebelwald ein Leben lang verfolgen.
mfG
Euer Bejeweldtherapeut
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