Freitag, 25. September 2009

Der Wähler entscheidet - sich oder nicht?


Der wohl beliebteste und meist gehörte Satz aus Politikermund ist wohl in diesen Tagen "Der Wähler entscheidet sich...". Im Kontext, dass der Wähler entscheidet, wer mit wem koaliert, davon abgesehen, dass eh kaum noch eine Partei mit der anderen koalieren wird, wandert dieser Satz munter durch die Medienlandschaften und übergibt dem kleinen Mann und der kleinen Frau die gottähnliche Kraft, staatliche Macht zu gestalten. Das hätten die Parteien wohl gerne und haben es auch gerne, nach der Wahl die Schuld dem Wähler zuzuschieben, dass bestimmte Koalitionen eingegangen werden MÜSSEN. Der Wähler hat schließlich entschieden. Aber hat er das wirklich? Indirekt, ja, aber direkt entscheidet der Wähler doch nur, welche Partei ihm am liebsten ist, welcher Politiker ihm sympathisch und welche politische Ideale er in Zukunft über das Land kommen sehen will. Er entscheidet ob er zur Wahl geht, wo er sein Kreuzchen setzt. Welche Parteien oder Partei am Ende die Macht übernehmen/übernimmt, das kann der einzelne Wähler an sich doch gar nicht wirklich entscheiden. Das wäre ja noch schöner, wenn eine Stimme über die Zukunft des Landes bestimmt. Nein, am Ende entscheiden scheinbar die Parteien, anhand der Stimmenauswertung, wer die Regierung bildet. Aber wenn Politik zu ihrem Wort steht, dann sind diese Entscheidungen im Grunde ja schon vorher getroffen worden. Die einzigen akzeptierten Koalitionen bisher sind Rot/grün und schwarz/gelb. Und was ist, wenn stimmrechtlich keines dieser Bündnisse zustande kommen kann? Müssen wir dann noch mal wählen gehen, damit wir uns als Wähler und schließlich die Politik entscheiden kann? Nein, nein und nochmals nein. Der Wähler entscheidet nicht, die Wähler entscheiden nicht, nicht mal die Politiker entscheiden. Am Ende entscheiden nur die Zahlen und die Zahlen haben kein Gewissen.
Also noch mal, im kleinkariertem Klartext: Der Wähler entscheidet nicht, der Wähler beeinflusst mit seiner Wahl die politische Landschaft in Deutschland. Warum nicht gleich so? Weil wir diese Phrase brauchen, um zur Wahl zu gehen, weil wir uns wichtig und mächtig fühlen sollen oder weil die Politik sie braucht, um nachher mit dem Finger auf Andere zeigen zu können und trotz aller Versprechungen und Bekenntnissen nachher nicht zu seinem Wort steht?

Am Ende bleiben nur die Fakten. Aber wer möchte die Zukunft des Landes schon handfesten Statistiken, roten, grünen, gelben oder schwarzen Grafiken überlassen. Nein, niemand. Und deshalb werden wir zu Zahlen gemacht, zu farbigen Balken und Prozenten. Hinter den kalten Grafiken stehen dann Millionen von Individuen, stehen wir, wir kleben als Torte zusammen, die zwar farblich getrennt ist, aber geschmacklich nach Einigkeit aussieht. Und die Torte wird dann zum Bundestag und dann stimmt es ja irgendwie doch, dass wir die Wahl entschieden haben.

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