Die Debatte um den Sozialstaat tobt, nachdem sich Guido, in alter Oppositionsmanier, wieder zu seinen klientelpolitischen Wurzeln bekennt: dem arbeitenden Deutschen.
"Wer arbeitet, der muss auch davon leben können" - "Arbeit muss sich wieder lohnen" - "Wer Leistungen vom Staat bezieht, muss auch etwas an die Gesellschaft zurück geben" - Mit diesen und ähnlichen Äußerungen wird Stimmungspolitik gemacht, und das durch alle Lager. Die Gesellschaftsstimmung aufzunehmen, analysieren und wiederzugeben, das können sie gut, aber wenn es darum geht, sich kreativ und überlegt mit den Problemen auseinander zu setzen, um Lösungen zu finden, dann rührt sich keiner, es bewegt sich nichts und alle sitzen wie festgeklebt auf ihren alten, hölzernen Meinungsstühlen, was natürlich mit unterschiedlicher Interessenpolitik und der dazu fordernden Wählerstimmen zusammenhängt. Das soll aber nicht der Schwerpunkt meines Beitrages werden. Ich möchte aktiv ein paar Lösungsansätze anbieten, einen Ausweg aus dem selten ausgesprochenen Dilemma anbieten, nämlich dass alle in Arbeit stehenden, die in nicht Arbeit sitzenden Hartz IV Empfänger, wieder auf die Beine bringen wollen, es aber eigentlich keine Arbeitsplätze gibt, zu denen diese sich hinbewegen können und sollen. Liberale Politik argumentiert ja jetzt schon, dass Mindestlöhne die wenigen, nur durch den Billiglohn geschaffenen Arbeitsplätze, vernichten werden, was bei mir ein Bild von Gnadenjobs hervorruft, die eigentlich keiner braucht, die sich nur rentieren, wenn man den Beschäftigen zu einem Hungerlohn arbeiten lässt, und sollte man Mindestlöhne in diesen Branchen einführen, sich diese Arbeitsplätze in Luft auflösen, so als hätte es sie nie gegeben. Ich frage mich dann natürlich, was das für Arbeitsplätze sein sollen, die keiner braucht, die aber trotzdem da sind. Und wenn man sie wirklich braucht, warum sollten sie dann verschwinden, wenn man den Arbeitnehmer besser bezahlt. Und wie kann man unter diesen Voraussetzungen noch neue, anständig bezahlte Arbeit anbieten? Aber zurück auf das, worauf ich hinaus wollte: Es gibt einfach nix zu tun in deutschen Landen!!!
Und deshalb müssen wir einfach neue Arbeitsplätze finden. Also, nicht wir, eigentlich die Politik. Ich habe mich nur mental damit beschäftigt und mir ein paar Jobs ausgedacht. Jobs, die eigentlich keiner braucht, so wie die Hungerlohnmaßnahmen, die aber, wenn sie erst einmal eingerichtet sind, die Menschen, sowohl die sitzenden Arbeitslosen, als auch die stehenden Arbeitenden, hoffentlich erfreuen können.
Wenn neue Jobs gefunden werden sollen, ist es natürlich ganz besonders wichtig, darauf zu achten, dass kein Wettbewerb zu bereits bestehenden, bezahlten Arbeitsangeboten entsteht. Deshalb müssen neue Arbeitsbereiche erfunden werden. Also Angebote, die es noch nicht gibt oder die in bestimmten Regionen keine Konkurrenz zu anderen Arbeitsangeboten darstellen. Diese Arbeitsmaßnahmen sind natürlich nur für Arbeitslose gedacht, die vielleicht keine Möglichkeiten mehr bekommen werden, in den ersten Arbeitsmarkt einzusteigen. Sie werden auch nicht bezahlt. Wozu auch; der Unterstützte bekommt ja schon ausreichend Leistungen vom Staat. Jetzt ist es an der Zeit, der Gesellschaft, die ihn unterstützt, wieder etwas zurück zu geben. Da bin ich einer Meinung mit der Stimmungspolitik. Und unter all diesen Bedingungen, müssen wir uns eingestehen, dass der erste Arbeitsmarkt keinen Platz hat für Menschen ohne Ausbildung und es für diese Menschen andere Bereiche geben muss, in denen sie produktiv werden können.
Hier ist die Kreativität der Politik gefragt, der ich mit folgenden Arbeitsmaßnahmen, die vor allem in öffentlichen Räumen, zum Dienste der Allgemeinheit entstehen sollen, auf die Sprünge helfen möchte:
Rikschas in Fußgängerzonen - Hier gibt es einen hohen Bedarf an Personenkraft, die den wundgelaufenen Arbeiterfüßen, mit gepolsterten Ziehwagen, eine kurzzeitige Erholungsphase zwischen den mehr- oder weniger notwendigen Einkäufen verschaffen kann. Der mühsame Bummel durch die Stadt wird so zur gemütlichen Rolltour von Geschäft zu Geschäft.
Einkaufstütenträger - Wer braucht ihn nicht, wer sehnt sich nicht heimlich nach einer starken Hand, die einem die schweren Tüten abnimmt und nach Hause oder zum Auto trägt. Vor allem unsere älteren Mitmenschen wüssten dieses erfundene Jobangebot zu schätzen. Hier können die Hartzer zeigen, wie viel Kraft und Ausdauer noch in ihnen stecken. Die Träger könnten überall in der Stadt, vor Supermärkten, in Einkaufspassagen, überall dort, wo Tütenlasten entstehen, verteilt werden, wo sie nur darauf warten eingesetzt zu werden und sind bestimmt schnell zum unentbehrlichen Helferlein geworden.
Schuhputzer - Den Schuhputzer kennen wir ja alle, nur gesehen haben die meisten Deutschen wohl noch keinen real. War er doch ein gerne genutztes Angebot in den zwanziger Jahren und findet sich heute nur noch in Entwicklungsländern, aber nicht in Deutschland, wo sich jeder am liebsten selbst die Schuhe putzt, was so gar nicht zu spätrömischer Dekadenz passen möchte. Deshalb brauchen wir ihn wieder, den guten alten Latschenlecker, der mit seinem kleinen Wägelchen, auch touristisch eine Bereicherung für jedes Stadtbild darstellen dürfte.
Das sind erst mal drei kreative Arbeitsbereiche, die man erfinden könnte, die viele Hartzer in Arbeit bringen würden, die dem Allgemeinwohl diente. Natürlich sind auch hier erst einmal Investitionen nötig, so müsste die Bevölkerung natürlich darüber aufgeklärt werden, dass es sich um unentgeltliche Maßnahmen handelt, die von jedem genutzt werden können und sollen. An einer bestimmten Tracht dürfte es natürlich auch nicht fehlen. Ein einfacher Lendenschurz wäre vielleicht kostensenkend, aber in der heutigen Zeit wohl nicht so angebracht. Eine Uniform, die leicht zu erkennen und zuzuordnen ist, die auch mit ein wenig Stolz getragen werden kann, wäre von Vorteil. Ein letzter Anreiz für den neuen und modernen Stadtkernpagen wäre vielleicht, dass er das Trinkgeld, das bestimmt gerne, hin und wieder gegeben wird, unversteuert, zu seinen Sozialleistungen hinzu verdienen darf. Im Grunde sehe ich es dann gar nicht mehr als Sozialleistung. Der Mensch arbeitet für diese Leistungen, es ist sozusagen sein Lohn, den er, wie die arbeitende Mehrheit, aber vom Staat als Arbeitgeber bezieht.
Ich würde sie gerne sehen, die neuen Diener, die modernen Sklaven unserer spätrömisch-dekadenten Gesellschaft. Und das meine ich ernst. Ich selbst würde mich an so einer Maßnahme beteiligen, würde ich Hartz IV beziehen, und damit eine Möglichkeit sehen, den Menschen, die mich am Leben erhalten, einen kleinen Dienst, der aber groß ankommt, anzubieten.
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